Ein gutes Leben heißt: selbstbestimmt entscheiden. Wohnen, lernen, arbeiten, dazugehören – mit Behinderung und ohne. Manchmal braucht es dafür Assistenz, gute Beratung und Unterstützung im Alltag. Bayern ist Heimat für alle. Und wir arbeiten daran, dass Wege frei werden: im Alltag, in Schulen und Betrieben, in Behörden und im Kopf.
Menschen mit Behinderung


Was bewegt Sie?Ich möchte mich über meine Rechte und finanziellen Leistungen informieren.
Morgens am Bahnsteig zählt jede Minute. Eine Straßenbahn rollt ein. Türen piepen. Menschen drängen. Viele merken das kaum. Für andere ist es ein kleines System aus Geräuschen, Kanten und Hinweisen. So wie für einen blinden Mann in München – nennen wir ihn Felix.
Hilfsmittel im Einsatz
Felix organisiert sein Leben selbstbestimmt. Mit Plan – und mit den richtigen Hilfsmitteln. Draußen nutzt er den Langstock: Er erkennt Hindernisse, findet Bordsteinkanten und folgt taktilen Leitsystemen, zum Beispiel im Bahnhof.
Bei der Arbeit setzt Felix auf einen Screenreader. Im Unterschied zu einfachen Vorleseprogrammen, die lediglich Text laut vorlesen, erschließt ihm dieses Spezialtool den gesamten Computer: Es liest Inhalte vor und führt ihn per Tastenkombination sicher durch Menüs und Links. Unterwegs koppelt Felix sein iPhone mit einer kleinen, tragbaren Braillezeile. Auf dieser Braille-Tastatur schreibt er Nachrichten, verwaltet Kalendereinträge und kommuniziert live mit seiner Partnerin, mit Kolleginnen und Kollegen oder Freunden.
Diese Hilfsmittel machen Teilhabe praktisch: allein unterwegs sein, arbeiten, im Alltag kommunizieren. Dazu kommen zusätzliche Ausgaben für Technik, Ausstattung, Nutzung. In Bayern hilft hier das Bayerische Blindengeld: eine monatliche Leistung auf Antrag, unabhängig vom Einkommen, als Ausgleich für blindheitsbedingte Mehraufwendungen.

Was bewegt Sie?Ich wünsche mir mehr Teilhabe.
Freitag, 17:00 Uhr. In einer kleinen Halle in Kronach quietschen Turnschuhe. Der Ball klatscht auf den Boden. Kurze Kommandos. Schnelle Pässe. Mitten drin: eine junge Frau im Rollstuhl – nennen wir sie Leonie. Basketball im Verein ist ihr Ding. Und Leonie hat noch eine zweite Leidenschaft: Geschichte. Am Wochenende zieht es sie oft ins Museum. Fasziniert bewegt sie sich von Raum zu Raum, bleibt an einer Karte hängen, liest die Texte, schaut sich Details aus der Nähe an. Sport für den Körper. Geschichte für den Kopf.
Damit beides klappt, braucht Leonie etwas, das viele erst merken, wenn es fehlt: stufenlose Zugänge, breite Türen, Aufzüge, klare Wege, barrierefreie WCs, gut erreichbare Plätze.
Genau das ist der Kern von Inklusion: Die Umgebung macht Platz. Angebote öffnen sich. Teilhabe wird selbstverständlich – beim Training, im Museum, im Kino, draußen in der Natur.
Ja! Ohne Wenn und Treppe
Dieses Jahr begleitet Leonie als Trauzeugin den großen Tag ihrer besten Freundin. Die standesamtliche Hochzeit ist in Parkstetten. Leonie richtet das Kleid, prüft die Ringe, atmet einmal tief durch – und umarmt ihre Freundin nach dem Ja-Wort.
Im Rathaus passt an diesem Tag alles. Seit dem Umbau führt ein Aufzug in die erste Etage, wo sich auch der Trausaal befindet. Parkstetten trägt dafür das Signet „Bayern barrierefrei“. Für Leonie zählt vor allem eins: ganz selbstverständlich mit dabei sein.
"Wir haben beim Umbau keine Bereiche nur für Menschen mit Behinderung gestaltet, sondern alles für alle."Ulrich Schumann, Leiter der Altmühltherme Treuchtlingen
Was bewegt Sie?Ich möchte mich vernetzen.
Der Spiegel im Gang ist heute wieder zu ehrlich. Eine Frau – nennen wir sie Brigitte – bleibt noch einen Moment stehen. Zupft am Tuch, rückt eine Strähne zurecht. Und dann doch die Frage: Gehe ich heute wirklich raus? Draußen warten Menschen, die sie lieben. Und trotzdem fühlt es sich an, als müsste sie ständig erklären, warum sie so müde ist. Warum sie plötzlich anders ist. Warum sich ein „Das wird schon wieder“ so grausam anfühlt.
Brigitte ist Ende 50 und lebt in Dinkelsbühl. Vor ein paar Monaten hat sie die Diagnose Brustkrebs bekommen. Eigentlich hatte sie sich auf einen ruhigeren Lebensabschnitt gefreut: reisen, Freundschaften pflegen, wieder mehr Leichtigkeit. Dann kam die Behandlung. Bestrahlung. Chemotherapie. Operation.
Seitdem ist vieles schwerer. Ihr Körper hat sich verändert. Die Haare wachsen nur langsam nach. Ausgehen fühlt sich plötzlich anstrengend an – und oft auch zu viel. Zu Hause sind liebe Menschen um sie. Trotzdem bleibt das Gefühl: Sie verstehen mich – und doch nicht ganz. Und da ist diese Angst, nicht ehrlich sein zu dürfen, ohne jemanden zu enttäuschen.
Halt finden. Halt geben.
Ihr Arzt empfiehlt eine Selbsthilfegruppe. Brigitte zögert. Dann rafft sie sich auf und geht hin. Am Anfang sammelt Brigitte nur Stimmen. Eine junge Mutter erzählt von der Angst um ihre kleine Familie. Eine andere Frau spricht vom ersten Blick in den Spiegel nach der OP. Jemand beschreibt dieses leise Grübeln, das abends kommt – und morgens wieder mit am Tisch sitzt. Brigitte spürt, wie ihre Schultern sinken. Weil sie diese Gedanken wiedererkennt – und jetzt aussprechen kann.
Solche Selbsthilfeangebote tragen Menschen, die ihre Erfahrungen teilen – oft ehrenamtlich, immer mit viel Herz. Fachkräfte unterstützen dabei: Sie beraten, helfen beim Aufbau von Gruppen, vernetzen Angebote und zeigen passende Anlaufstellen.
Genau deswegen fördert das Bayerische Sozialministerium die Selbsthilfeorganisationen von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung. Weil Betroffene miteinander und füreinander stark sein können als Expertinnen und Experten in eigener Sache. Wer auch mit Fachkräften über Fragen zur Teilhabe im Alltag, zu Leistungsmöglichkeiten oder Kontakten vor Ort sprechen will, kann einen Dienst der offenen Behindertenarbeit aufsuchen. Dort finden Menschen Beratung, Begleitung und praktische Unterstützung – in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt in Bayern.
Damit Menschen wie Brigitte einen Ort finden, an dem sie wieder Boden unter den Füßen spüren. Und damit sie – wenn sie so weit sind – auch anderen Halt geben können.
Goldspur statt Hürden
„Es gibt nix, was nicht geht“, sagt Anna Schaffelhuber. Und ihr eigener Lebensweg gibt ihr Recht. Mit einer Querschnittslähmung geboren, machte sie den Sport zu ihrem Beruf. Als vielfache Paralympics-Siegerin und Weltmeisterin im Monoski hat Anna Schaffelhuber viel gewagt im Leben. Im Podcast #BayernGemeinsamStark (Folge 6) des Bayerischen Sozialministeriums spricht die Spitzensportlerin über ihre Liebe zur bayerischen Heimat, den Rückhalt in der Familie und ihren Umgang mit Selbstzweifeln.
Bayern barrierefrei – hier geht’s lang
Auf barrierefrei.bayern.de finden Sie Infos und Inspiration: Beispiele aus Bayern, praktische Tipps und Projekte zum Nachmachen. Für mehr Teilhabe – jeden Tag.


