Sie möchten verstehen, welche Rolle Heimatvertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler in Bayern spielen und wie der Freistaat Erinnerung, Kultur und Begegnung unterstützt? Hier erfahren Sie, wie Menschen nach Flucht und Vertreibung in Bayern neu begonnen haben, welche Patenschaften und Schirmherrschaften Bayern übernommen hat und welche Einrichtungen Kultur und Geschichte lebendig halten.
Heimatvertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler in Bayern

Wie haben Heimatvertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler Bayern mitgeprägt?
Nach 1945 verloren Millionen Deutsche aus Ostpreußen, Schlesien, Böhmen und Mähren ihre Heimat. Fluchtzüge rollten gen Westen, Habseligkeiten in Koffern, Hoffnungen im Gepäck. In den 1950er-Jahren folgten Aussiedlerinnen und Aussiedler aus Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei; seit 1993 kamen vor allem Spätaussiedler aus Russland, Kasachstan und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion hinzu. Neue Wohnsiedlungen, Betriebe und Vereine wuchsen heran. Dialekte, Handwerkskünste, Feste und Familienrezepte bereichern seitdem das kulturelle Mosaik des Freistaats.

Noch immer formen Vertriebenen- und (Spät-)Aussiedlergemeinschaften das gesellschaftliche Miteinander im Freistaat und stärken den Zusammenhalt über Generationen hinweg. Wer ihre Geschichte vertiefen, Kontakte knüpfen oder sich selbst einbringen möchte, findet vielfältige Anlaufstellen:
- Museen, Kulturzentren und Gedenkstätten bieten Geschichte zum Anfassen.
- Beratungsstellen helfen bei Fragen rund um Alltag, Rente und Familie.
- Projekte und Förderprogramme schaffen Raum für Kultur, Begegnung und neue Ideen.
Der Freistaat Bayern begleitet und fördert diese Arbeit bis heute – unter anderem nach Paragraf 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) durch Unterstützung von Kulturvereinen, Museen und Erinnerungsorten.
Gemeinsames Erbe: Sudetendeutsche und Ostpreußen in Bayern
Bayerns vierter Stamm
Der Freistaat Bayern hat 1954 die Schirmherrschaft für die Sudetendeutschen übernommen und damit klar gesagt: „Ihr gehört zu uns.“ Seither bilden sie den vierten Stamm Bayerns – neben Altbayern, Franken und Schwaben. Die gemeinsame Geschichte beginnt mit Abschieden, mit verlassenen Höfen und Namen, die nur noch im Gedächtnis weiterleben. Doch sie erzählt ebenso vom Mut, mit kaum mehr als einer Reisetasche neu anzufangen und das Leben in Bayern mit Sprache, Handwerk und Kultur zu bereichern.
Wer heute die sudetendeutsche Gemeinschaft erlebt, spürt den gewachsenen Zusammenhalt. Jedes Jahr zu Pfingsten zeigt er sich beim Sudetendeutschen Tag: Menschen treffen sich, erzählen Geschichten, singen vertraute Lieder, erinnern sich – und gehen gemeinsam nach vorn.
Bayerns Sozialministerin begleitet das Fest traditionell als Schirmherrschaftsministerin und unterstreicht: Sudetendeutsches Leben bleibt in Bayern lebendig – gestern, heute und morgen.

"Wir dürfen nie vergessen, was war und was ist und was wieder werden kann. Aktuell erleben wir, wie schnell Demokratie weltweit unter Druck geraten kann und extreme Kräfte erstarken. Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit. Flucht und Vertreibung sind eine Mahnung dafür. Sie sind ein Anschlag auf die Menschlichkeit."Ulrike Scharf, MdL, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales
Bayern und Ostpreußen: Eine Patenschaft mit Geschichte
1978 hat der Freistaat Bayern die Patenschaft für die Landsmannschaft Ostpreußen übernommen. Dahinter steht mehr als ein offizieller Akt. Viele Ostpreußen fanden nach Flucht und Vertreibung in Bayern eine neue Heimat. Mit ihnen kamen Erinnerungen an Königsberg und Masuren, vertraute Lieder, Rezepte, Dialekte, gelebte Traditionen und der Wunsch, die verlorene Heimat im Herzen zu bewahren. Bayern würdigt mit der Patenschaft die Lebensleistung der Vertriebenen und die enge historische Verbundenheit beider Regionen, die bereits bis zur Ostpreußenhilfe von 1915 zurückreicht. Bis heute hält Bayern das ostpreußische Kulturerbe lebendig – etwa im Kulturzentrum Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen.
Erinnerungs- und Kulturorte für Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler in Bayern
Sie möchten Ihre Herkunft erforschen, Unterrichtsmaterial zu Flucht und Vertreibung einsetzen oder ein eigenes Projekt auf den Weg bringen? In Bayerns Museen, Kulturzentren und Gedenkstätten können Familien, Schulklassen, Forschende, Vereine und Unternehmen auf umfangreiche Archive zugreifen, erprobte Bildungsformate nutzen, Tagungsräume buchen und fachkundige Förderberatung erhalten. Zahlreiche Angebote sind dank der Unterstützung von Bund, Land und privaten Partnern kostenfrei oder günstig – so stehen Ihnen Geschichte, Kultur und Austausch offen.

Welche staatlich geförderten Einrichtungen gibt es für Vertriebene und (Spät-)Aussiedler in Bayern?
"Ein Geschenk des Bayerischen Staates an die vertriebenen Mitbürger."Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel, aus der Eröffnungsrede für das Haus des Deutschen Ostens, 1970




