Kinder und Jugendliche, die Gewalt oder Vernachlässigung erleben, brauchen Schutz und starke Netze. Das Familienministerium unterstützt die für den Kinderschutz zuständigen Kommunen und die Praxis mit dem Bayerischen Gesamtkonzept zum Kinderschutz – für ein gesundes, gewaltfreies Aufwachsen.
Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Vernachlässigung schützen

Leid vermeiden. Schutz geben. Halt bieten.
Ein Kind wirkt stiller als sonst. Die Eltern sind überfordert. Im Schulalltag fallen bei einem Mädchen Verletzungen auf, die es nicht erklären will. Oft sind es leise Signale, die zeigen: Das Kindeswohl könnte gefährdet sein. Genau hier kommt es darauf an, diese Signale zu erkennen und richtig einzuordnen. Jeder und jede, der oder die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt kommt, ist gefragt. Alle müssen für einen effektiven Kinderschutz an einem Strang ziehen. So entsteht ein Netz, das trägt – wenn ein Kind Schutz braucht.
Bayern setzt dabei auf drei starke Säulen:
- Prävention und frühe Unterstützung von Familien in belastenden Situationen durch Erziehungs- und Jugendberatungsstellen und Koordinierende Kinderschutzstellen (KoKis)
- Klare Regeln im Kinderschutz, verankert im Landesrecht, und landesweite Vollzugshinweise, Empfehlungen sowie Handreichungen
- Handlungssicherheit schaffen sowie Maßnahmen zur interdisziplinären Sensibilisierung und Qualifizierung, insbesondere durch Förderung der Bayerischen Kinderschutzambulanz als landesweitem Kompetenzzentrum
So entsteht Schutz, der greift: verlässlich, vernetzt, vorausschauend.
Früh helfen, Sicherheit geben.
Ein Vater ist überfordert. Ein Baby schreit nachts stundenlang. Manchmal braucht es gezielte Unterstützung, um zu verhindern, dass es zu einer Kindeswohlgefährdung kommt. Genau dort setzt der Kinderschutz in Bayern an: früh, nah an der Lebenswirklichkeit.
KoKi – Frühe Hilfen für junge Familien flächendeckend
Wenn das Leben auf dem Kopf steht, finden werdende Eltern und Familien mit jungen Kindern hier unkomplizierte Hilfe – in allen Regionen Bayerns. Über 120 KoKi-Netzwerke gibt es mittlerweile. Die KoKi-Fachkräfte der Jugendämter bündeln und vernetzen Angebote vor Ort, beraten und stärken Mütter und Väter, bevor Belastung zur Gefährdung wird.
Mit dem KoKi-Förderprogramm unterstützt der Freistaat Bayern die Jugendämter seit 2009. So sind bayernweit dichte Netzwerke entstanden – für einen guten Start ins Kinderleben.
Bayern als Vorreiter im präventiven Kinderschutz
Das bayerische KoKi-Konzept ist ein Erfolgsmodell. Deshalb wurde es 2012 gesetzlich verankert – in Paragraf 3 des Bundesgesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG). Das Konzept definiert damit den bundesweiten Standard im Bereich Frühe Hilfen.
Erziehungs- und Jugendberatungsstellen flächendeckend
Wenn Eltern sich sorgen, wenn Kinder oder Jugendliche feststecken, braucht es Menschen, die zuhören und weiterhelfen. In Bayern stehen dafür 180 Erziehungs- und Jugendberatungsstellen bereit – unterstützt über das EB-Förderprogramm. Jährlich nutzen rund 78.000 Familien das Angebot.
Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke)
Viele junge Menschen und Eltern suchen Antworten lieber online – anonym, direkt und jederzeit erreichbar. Genau dafür gibt es die länderübergreifende Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke), angestoßen von Bayern. Sie ergänzt die Unterstützung vor Ort und bietet einen modernen, schnellen und einfachen Zugang zu Beratung und Unterstützung.
Handlungssicherheit herstellen – Fachkräfte schulen
Ein Kind schweigt – und zeigt doch alles. Es zieht sich zurück, meidet Körperkontakt, reagiert plötzlich aggressiv. Wer mit Kindern arbeitet, spürt manchmal, wenn etwas nicht stimmt – und fragt sich: Was steckt dahinter? Reagiere ich richtig? Im Kinderschutz zählt genau das: Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung erkennen, aber auch richtig handeln.
Bayern setzt deshalb auch auf gezielte Schulung. Fachkräfte aus Medizin, Jugendhilfe und anderen Bereichen können lernen, worauf es ankommt – und wie sie im Ernstfall klar und koordiniert vorgehen.
Die Bayerische Kinderschutzambulanz
Das Bayerische Familienministerium hat 2011 eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet: die Bayerische Kinderschutzambulanz, als landesweites Kompetenzzentrum. Sie klärt medizinische Fragen im Akutfall und bringt ihr Wissen in die Praxis ein – analog und digital.
Wichtige Angebote:
- Beratung im Verdachtsfall: Ob im Jugendamt, in einer Kinderarztpraxis oder in der Klinik – manchmal ist die Frage zu klären: Steckt hinter einer Verletzung Gewalt? In solchen Situationen gibt es schnelle und fundierte Unterstützung durch die Bayerische Kinderschutzambulanz, vor Ort, telefonisch und auch online über die datensichere Plattform RemApp – auch per Videokonferenz in einem geschützten Rahmen für professionelle konsiliarische Beratung.
- Kostenlose Online-Fortbildungen für Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten, Fachkräfte der Jugendämter und andere Berufsgruppen. Sie lernen dort unter anderem, wie sich körperliche oder seelische Gewalt erkennen lässt – und wie sie im nächsten Schritt rechtssicher handeln.
Schutz- und Beteiligungskonzepte, die greifen
Träger von Einrichtungen der Jugendhilfe (inklusive Kindertagesbetreuung) oder Behindertenhilfe brauchen tragfähige Konzepte – für den Schutz und die Beteiligung junger Menschen. Paragraf 45 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) schreibt das verbindlich vor. Bayern begleitet die Umsetzung:
Das Familienministerium, das Bayerische Landesjugendamt und die Bezirksregierungen haben gemeinsam Vollzugshinweise entwickelt – praxisnah und rechtlich fundiert. Sie helfen dabei, die Anforderungen des SGB VIII sicher umzusetzen.
Prävention, die ankommt – landesweite Projekte
Prävention heißt, Kindeswohlgefährdungen vorzubeugen. Zwei Beispiele machen das deutlich:
- PräviKIBS: Die Beratungsstelle KIBS schult Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Die Fortbildungsreihe zur Prävention sexualisierter, physischer und emotionaler Gewalt in stationären und teilstationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe trägt zu Sicherheit im Umgang mit Grenzverletzungen und Übergriffen bei. Das Familienministerium fördert das Angebot, indem es die Kosten übernimmt – so bleibt Prävention überall vor Ort stark.
- Trau dich! – Im Schuljahr 2019/2020 erfolgte der Startschuss des Familienministeriums und des Kultusministeriums zur Etablierung der Initiative „Trau dich!“. Sie dient der Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Das interaktive Theaterstück klärt Kinder altersgerecht über ihre Rechte auf, stärkt ihr Selbstbewusstsein und sensibilisiert sie. Die Kinder erfahren, wie sie ihre persönlichen Grenzen schützen – und wo sie im Notfall Hilfe finden.

