Wohnungs- und Obdachlosigkeit betrifft Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Es ist mehr als ein individuelles Schicksal – es geht um das Miteinander in unserer Gemeinschaft. Das Sozialministerium erarbeitet Lösungen, um allen ein Zuhause und neue Perspektiven zu geben.
Wohnungs- und Obdachlosenhilfe
Wohnungs- und Obdachlosigkeit
Nicht jeder Mensch, der keine eigene Wohnung hat, ist auf der Straße.
- Obdachlosigkeit betrifft Menschen, die ohne jede Unterkunft leben. Sie schlafen draußen oder manchmal auch in provisorischen Behausungen.
- Wohnungslosigkeit meint alle, die keinen eigenen Mietvertrag oder kein Eigentum haben. Sie leben in Notunterkünften oder in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe; vielleicht auch vorübergehend bei Verwandten oder Bekannten. Diese „verdeckte Wohnungslosigkeit“ bleibt oft unbemerkt.
- Menschen sind unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht, wenn ihnen der Verlust der Wohnung bevorsteht – etwa durch Kündigung, Räumungsklage oder eine drohende Zwangsräumung.
Wohnungslosigkeit ist mehr als fehlender Wohnraum – es ist der Verlust von Sicherheit, Alltag und Perspektive. Hier setzt die Hilfe an – nah dran an den Menschen, die sie brauchen.
Blick auf die Zahlen
Mit dem Wohnungslosenberichterstattungsgesetz (WoBerichtsG) hat der Bund 2020 entschieden, unterge-brachte wohnungslose Menschen sichtbar zu machen. Seit 2022 erfassen Städte und Gemeinden jedes Jahr zum 31. Januar,
- wie viele Menschen in Not- und Gemeinschaftsunterkünften, in von Behörden angemieteten Pensionen oder Hotels oder
- vorübergehend in normalen Wohnungen leben – auch wenn das ihre Wohnungslosigkeit nicht beendet.
Die Zahlen machen deutlich, wie viele Personen auf Hilfe angewiesen sind. Darunter sind auch Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen, etwa nach einer Entlassung aus dem Gefängnis oder aus einer psychiatrischen Einrichtung, mit schweren sozialen Problemen oder Suchterkrankungen.
Dabei spielt es keine Rolle, auf welcher gesetzlichen Grundlage oder durch welche staatliche oder nichtstaatliche Stelle die Unterbringung erfolgt – und wer die Kosten trägt.
Am 31. Januar 2025 lebten in Bayern 44.850 wohnungslose Menschen in diesen Unterkünften.
Unterstützung und Beratung finden
Menschen ohne Wohnung brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen Angebote, die auf ihre Lebenslage abgestimmt sind – von Beratung bis hin zu konkreter Hilfe. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Wohnungslosenhilfe in Nord- und Südbayern haben das „Onlineverzeichnis der Wohnungslosenhilfe in Bayern“ erstellt. Dort finden sich über 250 Einrichtungen, Dienste und Beratungsstellen, die Unterstützung anbieten.
Von der Prävention über die Unterbringung bis hin zur Wiedereingliederung in die Gemeinschaft: Die „Empfehlungen für das Obdach- und Wohnungslosenwesen“ zeigen, wie Bayern Menschen ohne eigene Wohnung unterstützt. Die Bayerischen Staatsministerien für Soziales, Integration, Wohnen und Gesundheit haben die Empfehlungen im Oktober 2023 gemeinsam herausgegeben.
Aktionsplan „Hilfe bei Obdachlosigkeit“
Mit dem Aktionsplan stärkt Bayern konkrete Projekte, die wohnungs- und obdachlosen Menschen helfen. Diese Initiativen bekommen meist eine Anschubfinanzierung für zwei Jahre.
Hier setzt Bayern an:
- Beratungs- und Unterstützungsangebote ausbauen, damit Menschen ohne Wohnung besser begleitet werden;
- früh in Aktion treten und mit Fachstellen verhindern, dass es zur Wohnungslosigkeit kommt;
- spezielle Programme anbieten, zum Beispiel für Frauen oder junge Erwachsene.
Öffentliche und freie Träger können Mittel beantragen. Die Anträge laufen über die Koordinierungsstellen Wohnungslosenhilfe Nord- oder Südbayern beim Sozialministerium. Die Regierung von Mittelfranken begleitet die Förderungen und sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft.
Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern
Die Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern wurde 2019 gegründet – als neue Kraft, um wohnungs- und obdachlosen Menschen zur Seite zu stehen. Sie gibt Projekten Rückenwind, die mutige Ideen voranbringen, den Alltag erleichtern und Menschen zusammenbringen.
Gefördert werden Initiativen, die Beratungsangebote ausbauen, die Infrastruktur verbessern und den Austausch von Wissen und Erfahrungen ermöglichen. Auch Aus- und Weiterbildungen für Haupt- und Ehrenamtliche, Öffentlichkeitsarbeit und Forschungsprojekte finden hier Unterstützung.
Die Stiftung lebt vom Miteinander: Die Fachkräfte und Engagierten arbeiten eng mit den bayerischen Kommunen und der freien Wohlfahrtspflege zusammen. Sie knüpfen Kontakte, bauen Brücken und machen die Hilfsangebote in Bayern sichtbarer und zugänglicher.
Runder Tisch Obdachlosigkeit
Seit 2018 kommen Menschen, die sich in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe in Bayern engagieren, am Runden Tisch Obdachlosigkeit zusammen. Das Sozialministerium hat diese Plattform ins Leben gerufen, damit Fachkräfte, Verantwortliche aus der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege und Mitglieder des Fachausschusses Wohnungslosenhilfe Erfahrungen austauschen, Wissen bündeln und Ideen entwickeln.
Der Runde Tisch will
- Fachkräfte und Engagierte in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe in Bayern besser vernetzen,
- Entwicklungen in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe im Blick behalten,
- neue Ansätze entwickeln, um die Situation von wohnungs- und obdachlosen Menschen im Freistaat zu verbessern.

